Kleine Drachen-Chamäleons

im Terrarium

Chamäleons gehören auf Grund ihrer einmaligen Verhaltensweisen zu den faszinierendsten Terrarienpfleglingen. Ihr Verbreitungsraum erstreckt sich über das gesamte Afrika und von Saudi Arabien über den Jemen bis nach Indien. Entsprechend groß ist auch ihre Artenvielfalt und ihre unterschiedlichen Ansprüche an das Terrarium.

 

Allgemeines

In der Kürze kann nur auf die am häufigsten gehaltenen Arten eingegangen werden.

  • Jemenchamäleon (Chamaeleo calyptratus)
  • Pantherchamäleon (Furzifer pardalis)

 

Die Arten der Gattungen Brookesia, Trioceros, Rhampholeon, usw. sind zwar auch in der Terraristik vertreten, verlangen aber vom Pfleger einen zum Teil nicht unerheblichen technischen Aufwand, um ihren klimatischen Bedingungen gerecht zu werden. Die faszinierendsten Verhaltensmuster zeigen Chamäleons beim Fressen und beim Farbwechsel. Die meisten Chamäleons erbeuten ihr Lebendfutter mit Hilfe ihrer Schlauchzunge. Dieser an „Gummibändern“ befestigte Muskel wird zielgenau auf das Insekt geschleudert und dieses so erbeutet. Auf Grund des hervorragenden Sehvermögens liegt die Trefferquote bei mehr als 90 %. Chamäleons können zwar gut sehen, aber sehr schlecht hören. Deshalb „unterhalten“ sie sich durch Veränderung ihrer Körperfarbe. So werden die weiblichen Tiere in der Balz stimuliert und konkurrierende Artgenossen aus dem Revier vertrieben.

 

Das Jemenchamäleon

Das einzelgängerische Jemenchamäleon kommt auf der gesamten arabischen Halbinsel von wüstenartigen Zonen Saudi Arabiens bis zu tropischen Landstrichen des Jemen vor. Männchen erreichen bis zu 60 cm Gesamtlänge Weibchen bis zu 45 cm. Also muss auch das Terrarium dementsprechend groß sein (100 x 50 x 100 mindestens!). Aber Vorsicht: Ein kleines Chamäleon wird in einem großen Becken verhungern, so dass das Terrarium mitwachsen muss. Die Terrarien benötigen zwingend mehrere große Gazeflächen, damit einerseits eine gute Durchströmung gewährleistet ist und andererseits die Beleuchtung auf dem Terrarium platziert werden kann. Schießen die Tiere mit ihrer Zunge gegen die heiße Lampe im Terrarium, ist das Schicksal des Chamäleons besiegelt. Die Beleuchtung, die in den Sommermonaten mindestens 12 – 13 Stunden eingeschaltet sein muss, erzeugt auch die nötige UV Strahlung (Dragon All in Set siehe unten) und die Wärme (Tagsüber bis zu 29° C, nachts bis 22°C). In den Wintermonaten sollten die Tagestemperaturen auf ca. 22°C und die Nachttemperaturen auf ca. 18°C eingestellt werden. Die Beleuchtungsdauer wird auf ca. 10 Stunden reduziert Auf die Luftfeuchtigkeit muss man keinen besonderen Wert legen, wenn man das Terrarium mindestens 2x am Tag ausgiebig besprüht. Damit gibt man den Tieren auch die Möglichkeit, ihren Flüssigkeitsbedarf zu regulieren. Zusätzlich zum Sprühen sollte eine Tropftränke im Terrarium angebracht werden, an der die Tiere zwischendurch ihren Durst stillen können. Die Ernährung erfolgt der Größe des Tieres entsprechend. Als Jungtiere wachsen C. calyptratus enorm schnell. Nach 5 – 6 Monaten wird bei entsprechender Ernährung mit Futterinsekten, die 30 cm Marke überschritten. Viele Jemenchamäleons nehmen auch gern pflanzliche Nahrung, in Form von Golliwogs oder Efeutute zu sich. Die Tiere sind, wie gesagt, Einzelgänger. Eine Vergesellschaftung zweier Männchen ist unmöglich, das Hinzusetzen eines Weibchens erfolgt nur zur Paarung und unter Aufsicht. Trächtigen Weibchen muss in ihrem Terrarium eine mindestens 30 cm Grabschicht aus Terrarienerde zur Verfügung gestellt werden. Findet das Weibchen keinen geeigneten Ablageplatz für ihre Eier, kommt es zur Legenot, die unbehandelt den Tod des Tieres zur Folge hat. Bei der Dekoration des Terrariums kann der Pfleger seiner Phantasie freien Lauf lassen, wenn er dem Tier nur genügend Kletter- und Versteckmöglichkeiten durch zum Beispiel hohe Pflanzen, wie Ficus benjamini zur Verfügung stellt. Die Kletteräste sollten zumindest zum Teil so dünn sein, dass das Tier um sie herum greifen kann. Als Bodengrund sollte ausschließlich Terrarienerde  verwendet werden, damit das Tier nicht größere Partikel versehentlich aufnimmt und es zu Darmverschlüssen kommt.

 

Das Pantherchamäleon

Vieles von dem oben gesagten trifft auch auf das Pantherchamäleon (Furcifer pardalis) zu. Die Tiere kommen in den feucht-heißen Küstengebieten des nördlichen und nordöstlichen Madagaskar und den „angrenzenden“ Inseln, Nosy Be, Reunion, usw. vor.

F. pardalis kommt in vielen verschiedenen geografischen Standortvarianten vor, die sich in ihren Farben stark unterscheiden. So ist die Grundfärbung der Tiere von Ambilobe rot mit grünlich bis blauen Bändern, die von Nosy Be bläulich grün ohne ausgeprägte Bänderung und die von Ambanja türkis blau mit rötlichen Bändern. Die Tiere können ihre Färbung auch ihrer Umgebung anpassen und so ihren Fressfeinden entgehen. Zusammen mit ihrem hervorragenden Sehsinn schützt sie das in ihrem Habitat. Wie bei allen Chamäleon sind die Augen der Tiere ein perfekt ausgebildetes Instrument, das sowohl als „Zielfernrohr“ beim Beuteerwerb, als auch zur Signalisierung der Paarungsbereitschaft und dem Schutz vor Fressfeinden eingesetzt werden kann. Jedes Auge ist einzeln beweglich. Es entsteht kein gemeinsames Bild des überlappenden Sehfeldes, sondern immer zwei getrennte Bilder. Die Beweglichkeit der Augen sorgt für ein Sichtfeld von über 340°. Der tote Winkel umfasst nur ein kleines Stück der Rückenpartie. Durch Verfärbung der Augenpartien signalisieren die Tiere ihre Paarungsbereitschaft. Bei der Endgröße bleiben sie mit 55/45 cm etwas hinter den Jemenchamäleon zurück. Da auch bei F. pardalis eine paarweise Haltung nicht möglich ist, reicht für ein Einzeltier ein Terrarium von 100 x 50 x 100 cm aus. Die Temperatur wird auch hier durch einen HID Strahler erzeugt, der auch in ausreichendem Maß UV Strahlung und einen Wärmeplatz mit ca. 35°C zur Verfügung stellt. Die Temperaturen sollten tagsüber bei ca. 28°C, nachts bei ca. 25°C liegen. Die Luftfeuchtigkeit liegt im Tagesverlauf zwischen 70 und 100 %. Am einfachsten erreicht man das durch eine Beregnungsanlage. Gefüttert werden die Tiere mit den zur Größe passenden Futterinsekten, die ein bis zweimal pro Woche mit einem hochwertigen Vitaminpräparat eingestäubt werden.

C. calyptratus und F. pardalis unterstehen dem Washingtoner Artenschutzabkommen Anhang 2, und müssen bei den zuständigen Behörden angemeldet werden.