Meerwasseraquarien

Ein Meerwasseraquarium ist ein recht komplexes chemisches und biologisches System. In der Kürze dieses Ratgebers können die verschiedenen Faktoren, die zum Gelingen eines solchen Aquariums beitragen nur verkürzt dargestellt  werden. Jeder, der sich mit dem Gedanken trägt, ein Stück Ozean nach Hause zu holen, muss sich auch unbedingt mit den praktischen und theoretischen Voraussetzungen, die für das erfolgreiche Halten seiner Tiere erforderlich sind auseinander setzen.

 

Das Aquarium

Je größer das Aquarium gewählt wird, umso mehr Möglichkeiten hat man für den Besatz mit Tieren. Für ein Riffaquarium mit mehreren Fischen muss eine Mindestgröße von 200 – 500 l einkalkuliert werden. Normalerweise nimmt man ein Aquarium aus Weißglas, da man sich so an den natürlichen Farben der Fische und Korallen erfreuen kann. Die absolute Spitze bei den Aquarien sind die Acryl- oder Plexiglasaquarien. Sie verändern die Farben der Tiere nicht und verzerren die Tiefenwirkung nicht, wie es bei Glasaquarien üblich ist. Plexiglasaquarien erfordern allerdings ein sehr hohes Maß an Aufmerksamkeit bei der Reinigung, da sie viel leichter verkratzen als Glas.

 

Das Wasser

Wenn man künstlich aufbereitetes Meerwasser verwendet, ist zu beachten, dass chemische Veränderungen erfolgen. Die Spurenelemente sind zu Beginn viel höher als im natürlichen Meerwasser. Das heißt, dass die im Wasser gelösten Elemente zunächst aggressiv auf lebendes Gewebe wirken. Deshalb hat man eine gewisse Einlaufphase von ca. 2 – 3 Monaten. Da zu viele Stoffe von den Wasserwerken zugefügt werden, sollte man nicht unbedingt Leitungswasser verwenden. Eine Möglichkeit das Leitungswasser zu reinigen ist die so genannte Umkehrosmose Anlage (RO = Reverse Osmose). Eine weitere ist der Mischbettfilter, der auch an die Wasserleitung angeschlossen wird und das Wasser über Harze vollentsalzt. Beide Systeme haben Vor- und Nachteile, auf die hier nicht im Einzelnen eingegangen werden kann. Der Effekt ist jedoch bei beiden der gleiche: Sauberes Wasser. Bei kleinen Nano-Meerwasseraquarien besteht auch noch die Alternative für die Aquaristik geeignetes destilliertes Wasser zu verwenden. Das reine Wasser wird nicht nur zur Herstellung des Meerwassers benutzt, sondern auch zum Nachfüllen des verdunsteten Wassers.

 

Bei der Erstbefüllung des Aquariums wird das Becken nur zu etwa 2/3 mit dem RO-Wasser oder den Alternativ-Wässern befüllt (nicht mehr, da später noch „lebende“ Steine mit hinein müssen) und dann mit der entsprechenden Menge an synthetischem Meersalz vermischt. Zum besseren Lösen des Salzes im Wasser kann man beide Komponenten auch vorher schon in großen Kanistern vermischen und dann ins Aquarium füllen. Bei den Salzen muss man zwischen den so genannten Basis- und Premiumsalzen unterscheiden. Basissalze werden für den Betrieb von reinen Fischanlagen hergestellt und enthalten deutlich weniger Kalzium und Magnesium. Sie sind meistens erheblich günstiger als die Premiumsalze, die teilweise neben Kalzium – und Magnesiummengen sogar Angaben über die zu erreichende KH enthalten. Möchte man also Korallen pflegen, muss man sich für ein solches Premiumsalz entscheiden.

 

Die Mengenangaben der Hersteller differieren einige Gramm um +/- 35 g/l. Zur Sicherheit sollte man nach dem Vermischen mit Hilfe eines Aärometers oder mit einem Refraktometer die Dichte bzw. die Salinität (besser die, da nicht temperaturabhängig) der Lösung kontrollieren.

Dann muss das Aquarium erst einmal mindestens einige Tage, besser eine Woche laufen, bevor man das „Lebendgestein“ einsetzt. Anemonen und Korallen folgen viel später. Je mehr Zeit man sich mit dem Einfahren des Meerwasseraquariums lässt, um so besser. Die Einlaufzeit sollte bis zum Fischbesatz bzw. dem Einsatz von empfindlichen Steinkorallen etwa 12 Wochen dauern.

 

Korallen sollen im Aquarium wachsen. Das bedeutet, dass sich ihre Skelettmasse vergrößert. Die dafür benötig­ten Stoffe entzieht eine Koralle dem Wasser (Kalzium, Magnesium, Spurenelemente, Kalium, etc.), so dass diese Spurenelemente ggf. nachgegeben werden müssen, so sie denn noch nicht in ausreichender Menge im Salz enthalten sind. Das hängt ganz von dem individuellen Besatz ab, mit dem man sein Aquarium bestückt. Diverse Hersteller haben genau aufein­ander abgestimmte Zusätze entwickelt, die den Korallen die Möglichkeit geben, die benötigten Stoffmengen aufzunehmen. Kalzium, Magnesium und Härtebildner können bei kleineren Aquarien durch die Balling Methode zugeführt werden. Nur bei großen Aquarien kann der Einsatz eines Kalkreaktors sinnvoll sein, da bei dieser Methode die abgegebenen Stoffmengen nur schwer einstell- und kontrollierbar sind. Außerdem werden größere Mengen freies CO2 an das Wasser abgegeben.

 

Die Heizung/Kühlung

Über das Heizen eines Aquariums muss man nicht viele Worte verlieren: Man nimmt einen passenden Heizstab, stellt die erforderliche Temperatur von 25 °C ein und schon ist man fertig. Etwas anderes ist es bei der Kühlung des Aquariums. Im tropischen Ozean sollten Temperaturen von ca. 25 – 27 °C herrschen. Im Laufe der Evolution haben sich die Korallen an diese immer gleich bleibenden Verhältnisse angepasst und nehmen

es äußerst übel, wenn die Temperaturen dauerhaft über 29 °C ansteigen (siehe El Niño).

Sie quittieren diese Temperaturerhöhung mit Ausbleichen und schließlich mit Absterben. Bei unserem, durch die Klimaerwärmung immer intensiveren Sommer, muss man sich Gedanken über die Abkühlung des Aquarienwassers machen, da auch die im Aquarium eingebauten technischen Geräte und natürlich die Lampen erhebliche Temperaturerhöhungen produzieren.

 

Ein oben geschlossenes Meerwasseraquarium kann problemlos 5 – 6 °C wärmer sein, als die Raumtemperatur! Abhilfe schafft hier nur ein Kühlgerät, das wie ein sehr leistungsstarker Kühlschrank funktioniert. Man kann es unter dem Aquarium platzieren, muss jedoch durch Ventilation für eine Abfuhr der erzeugten Wärme sorgen, da sich das Aquarium sonst wieder von unten erwärmt. Solche Geräte werden u.a. von Aqua Medic oder Arcadia angeboten. Kleinere Aquarien (bis 300 l) können mit Ventilatoren an der Wasseroberfläche (Verdunstungskälte) um 2 – 5 ºC abgekühlt werden.

 

Die Strömung

Korallen können sich nicht fortbewegen! Das bedeutet, dass man die Nahrung zu ihnen transportieren muss, da sie nicht in der Lage sind, selbst danach zu suchen. Dies ist unter anderem durch die Strömung zu erreichen. Als Strömungspumpen haben sich in den letzten Jahren die so genannten Streampumpen etabliert. Durch spezielle Propellertechnologien wird eine sehr starke Strömung mit sehr wenig Leistungsaufnahme generiert. Man rechnet bei der Beschaffung der Pumpen mit dem ca. 20 – 30 fachen des Bruttovolumens des Aquariums als Strömungsleistung pro Stunde. Diese sollte auf mehrere Pumpen verteilt werden, um zu verhindern, dass man eine laminare Strömung und damit bewegungslose Zonen im Aquarium schafft. Sollte jemand Angst vor den 230 V im Salzwasser haben, produzieren u.a. die Firmen Aqua Medic und Tunze solche Powerheads auch in 12 – 24 V Versionen. Diese haben auch noch den Vorteil, dass sie regelbar sind. Noch ein Wort zur Hochspannung im Meerwasseraquarium: 230 V können in diesem Medium tödlich sein! Man sollte alle seine Geräte über FI Schalter absichern. Aber NIEMALS den Abschäumer an den gleichen FI anschließen wie alle anderen Geräte. Löst zum Beispiel ein Heizungsdefekt den FI aus, fällt dann auch der Abschäumer aus.

 

Die Filterung

In einem Meerwasseraquarium bedeutet „Filtern“ eigentlich Eiweißentfernung. Je nach Aquarientyp gibt es verschiedene Verfahren diese Substanzen zu entfernen. Wir konzentrieren uns hier auf die Eiweißabschäumung. Eiweiße sind die Abfallprodukte, die im Aquarium durch Stoff­wechselvorgänge entstehen. Sie werden, wenn sie nicht beseitigt werden, von Bakterien zum allseits bekannten Nitrat umgewandelt. Um dieses zu verhindern, macht man sich die Oberflächenspannung des Meerwassers zu nutze. Mischt man Luft und Meerwasser entsteht Schaum. An diesen lagern sich Eiweiße, Nitrate und Phosphate an. In einem Abschäumer wird dieser Schaum in einem Behälter aufgefangen und somit dem System entzogen. Im Laufe der Jahre hat der technische Fortschritt immer mehr und leistungsstärkere Abschäumer hervorgebracht, so dass die Auswahl an Geräten sehr groß geworden ist. Als Kriterium gilt: Die Abschäumleistung sollte ca. das Doppelte des Bruttovolumens des Aquariums sein. Viele Hersteller bieten Geräte für den kleinen Geldbeutel bis hin zu den absoluten Hightech-Maschinen an. In diesem Katalog werden Sie bestimmt das passende Gerät für Ihr Aquarium finden. In überbesetzten Riffaquarien und in Fischanlagen kann trotz Abschäumung ein Nitratproblem entstehen. Mit Hilfe von anäroben Filtersystemen von Aqua Medic lässt sich dieses Problem relativ einfach beseitigen.

 

Die Beleuchtung

Licht ist Leben! Nahezu alle Korallen, die in Aquarien gepflegt werden, sind zooxanthellate Tiere. Das bedeutet, dass in der Haut der Korallen einzellige Algen (Zooxanthellen) eingelagert sind, die die Tiere durch Photosynthese mit Energie versorgen. Da Algen Pflanzen sind, benötigen sie für die Photosynthese Licht. Die Halogenmetall­dampflampe (HQI) war früher das Non plus Ultra der Beleuchtung über einem Meerwasser­aquarium. Heutzutage ist sie fast ganz aus dem Fachhandel verschwunden, obwohl sie immer noch von manch altem Aquarianern bevorzugt wird. Ein Richtwert für die Beleuchtung eines Riffaquariums von 120 cm Länge und 60 cm Höhe war früher etwa 2-mal 250 W HQI-Lampen, um Steinkorallen ein vernünftiges Leben zu ermöglichen. Der Nachfolger der HQI-Beleuchtung waren die T5-Leuchtstofflampen. Diese haben gegenüber der HQI Lampe den Vorteil, dass die Ausleuchtung des Aquariums deutlich besser verteilt wird. Weiterhin kann die Farbe der Tiere durch den Einsatz verschiedener Röhren positiv beeinflusst werden. Eine bessere Energieeffizienz als bei der HQI Lampe ist jedoch nicht vorhanden. Benötigt man für ein Aquarium 500 W HQI, so ist diese Energiemenge auch bei T5 Lampen nicht zu unterschreiten.

Die Lebensdauer einer T5-Röhre beträgt im Meerwasserbereich ca. 9 Monate. Die neueste Technologie für die Meerwasserbeleuchtung ist die LED. Sie setzt sich immer weiter durch und verdrängt die anderen Beleuchtungsarten nach und nach, da sie mehrere Vorteile hat. Zum einen braucht man Röhren nicht mehr regelmäßig zu erneuern, da LEDs sehr langlebig sind. Die Lebensdauer der LEDs soll einigen Herstellern nach ca. 60.000 Stunden betragen, was bei 10 Stunden Licht pro Tag ca. 16 Jahren entspricht. Diese hohe Lebensdauer relativiert dann auch den hohen Anschaffungspreis, da ja keine jährlichen Lampenwechsel anfallen. Ob sich das wirklich bewahrheitet, werden die nächsten Jahre zeigen. Weiterhin bieten LEDs eine gewisse Stromersparnis den anderen Beleuchtungsarten gegenüber. Wenn man sich eine LED-Leuchte zulegen möchte, sollte man darauf achten, dass die verbauten LEDs von den Firmen Cree, Samsung oder Osram sind. Diese haben die größte Leistung (3 Watt) und den größten Abstrahlwinkel (120°). Zumindest ist darauf zu achten, dass die LED-Leuchte nicht zu schwach ist und das Aquarium mit den lichtbedürftigen Korallen genug ausgeleuchtet wird. LED-Leuchten gibt es mittlerweile von vielen Herstellern in unterschiedlicher Qualität und Verarbeitung. Generell ist bei allen Beleuchtungsarten immer auf ein ausgewogenes Lichtspektrum zu achten, mit einer für das Leben der Korallen optimalen Mischung aus hoher und niedriger Kelvin-Zahl; also nicht zu viel Blau-Anteil und nicht zu wenig.