Aquarienfische richtig füttern

Ein wichtiger Aspekt in der freien Natur ist die Suche nach Nahrung. In den Heimatgebieten unserer Aquarienfische ist das Angebot und die Vielfalt groß: Kleinkrebse, Insektenlarven, Wirbellose, Fluginsekten, pflanzliche Kost, etc. Die daraus folgenden Bedürfnisse der jeweiligen Fischarten gilt es in unserem Aquarium zu erkennen und zu decken. Somit ist die Fütterung für uns Aquarianer nicht nur ein immens wichtiger, sondern auch sehr interessanter Bestandteil des Hobbys.

 

Ein sehr bedeutender Punkt gleich zu Anfang: Die Fütterung ist nicht nur für die Ernährung der Fische wichtig, der ganzheitliche Ansatz ist entscheidend: Wir füttern nicht unsere Fische, sondern unser gesamtes Aquarium. Die Menge und Qualität der Nährstoffe, die wir einbringen, ist entscheidend für sämtliche biologische und biochemische Prozesse in unserem Aquarium. Die Fütterung ist der tägliche intensive Kontakt zu unserem Aquarium. Für den erfahreneren Aquarianer ist das Verhalten seiner Tiere bei der Fütterung ein gutes Kontroll- und Qualitätsmerkmal. Dabei erhärten oder zerstreuen sich Verdachtsmomente, ob z. B. das leichte Desinteresse des Skalars an dem Rest der Aquarienwelt Grund zur Besorgnis gibt oder lediglich ein Motivationstief vorliegt. Vor 60 Jahren war die Beschaffung von geeignetem Futter ein großes Problem. Gummistiefel und Netz gehörten zur Standardausrüstung eines Aquarianers um an Tümpelfutter zu kommen. Neben Versorgungsengpässen im futter­armen Winterhalbjahr war immer das Risiko einer Infektion durch eingeschleppte Parasiten und Krankheitserreger gegeben. Die Kenntnisse über Ernährungsbedürfnisse von Zierfischen waren lückenhaft und nur Spezialisten waren in der Lage, ihre Fische so artgerecht zu pflegen, dass sich sogar Nachwuchs einstellte. Die Revolution in der Aquaristik gelang vor 60 Jahren Dr. Ulrich Baensch mit der Entwicklung eines Flockenfutters, dessen Zusammensetzung auf den tatsächlichen Bedürfnissen der Aquarienfische basierte und in haltbarer Form alle Nährstoffe und Vitamine enthielt. Somit war mit Tetra Min (Tetra gr. = vier und Min von Vitamin, vier Vitamine waren „damals“ enthalten) dem Normalaquarianer ein Werkzeug gegeben, mit dessen Hilfe die Pflege von Zierfischen unglaublich vereinfacht wurde. Diesen Klassiker gibt es heute übrigens auch als Granulatfutter und als Crisps (im Temperatur-Schonverfahren hergestellte „Plättchen“). Die Vielfalt der heute erhältlichen Trockenfuttersorten gibt wirklich allen Bereichen der Aquaristik ein geeignetes Futter, mit dem nicht nur die Fische erfolgreich gepflegt, sondern auch Fortpflanzungserfolge erzielt werden können.

 

Wieviel sollte gefüttert werden?

Fische suchen in der freien Natur ständig nach Futter und sind fast immer in der Lage zu fressen. Dieses Verhalten sichert ihr Überleben, kann aber bei einem zu weichherzigen Fütterer schnell zur „Fischleberverfettung“ führen. Das angelagerte Fett in der Bauchhöhle verdrängt  lebenswichtige Organe und die Fische verenden „im Überfluss“. Der leichte Hunger ist - wie bei Menschen übrigens auch - der biologische Normalzustand. Gut hat sich eine einmalige Fütterung am Tag bewährt. Füttern Sie nur soviel, wie die Fische in ca. 2 – 3 Minuten gefressen haben. Öfter wenig ist besser als die abendliche Ration mit der großen Kelle. Wenn Sie mehrmals täglich füttern wollen, passen Sie die Futtermenge so an, dass Sie bei jeder „Mahlzeit“ jeweils in entsprechend kürzerer Zeit (in je 1 Minute oder kürzer) gefressen ist.

 

Wo sollte gefüttert werden?

90 % der Aquarien in unseren Haushalten sind Gesellschaftsaquarien, die einen gemischten Besatz aufweisen. Da gibt es bodenbewohnende Fische, Oberflächenbewohner und die, die sich in der goldenen Mitte aufhalten. Gut einordnen kann man „seine“ Fische nach der Maulform: Da die Nahrungsaufnahme einen hohen Stellenwert im Tagesablauf einnimmt, haben sich die Maulformen der Fische während der Evolution an den Lebensraum angepasst. Oberflächenfische besitzen ein oberständiges Maul, d.h. die Maulöffnung zeigt nach oben. So können Insekten oder Pflanzenteile gut von der Wasseroberfläche abgefischt werden. Fische der mittleren Wasserschichten haben ein endständiges Maul, womit sie freischwebendes Futter gut aufnehmen können. Bodenbewohnende Fische haben häufig eine unterständige Maulöffnung, um auf dem Boden liegendes Futter gut und energiesparend fressen zu können.

 

Folgende Futterarten stehen uns zur Verfügung

Das Angebot ist so umfangreich, dass wir deshalb nur die verschiedenen Futtertypen aufzeigen und erläutern.  Fangen wir mit einem Klassiker an, mit dem schon erwähnten Flockenfutter.

 

Flockenfutter

Futterflocken sind, ganz einfach ausgedrückt, ein sehr dünn ausgewalzter und getrockneter Nährstoffteig. Es gibt die verschiedensten Zusammensetzungen, um den Bedürfnissen der unterschiedlichen Fischarten gerecht zu werden. Große, mittlere und kleine Flockengrößen, Futter für Alles-, Fleisch- und Pflanzenfresser, (omnivore, carnivore und herbivore Fische), Futter zur Farbverstärkung usw. Flockenfutter sinkt langsam zu Boden, ist also für Fische aller Wasserschichten geeignet. Sehr wichtig bei der Auswahl des Futters ist der tatsächliche Bedarf. Was nützt die im Vergleich günstige 1.000 ml Vorratsdose, wenn ich über ein Jahr damit auskomme? Nach ca. 6 Monaten ist auch beim besten Trockenfutter der Gehalt an lebensnotwendigen Vitaminen enorm geschrumpft. Besser sind mehrere Futtersorten in kleineren Packungsgrößen gleichzeitig, das hält Ihre Fische in guter Stimmung und gesund. Ihr Futter ist dann auch immer frisch. Die Literdose ist nicht für jeden Aquarianer unbedingt empfehlenswert. Wenn Sie nicht mindestens 5 – 6 Aquarien besitzen, ver­zichten Sie lieber aus oben genannten Gründen auf dieses Angebot. Ihre Fische werden Ihnen dafür dankbar sein.

 

Granulat

Auch Futter in Granulatform gibt es in den verschiedensten Zusammensetzungen. Der Vorteil von Granulatfutter ist, dass es bei stürmischer Futteraufnahme nicht in kleine Partikel zerschwommen und zerschnappt werden kann. Diese kleinen Partikel werden dann von den Fischen nicht aufgenommen und belasten das Wasser unnötig. Gut bewährt hat sich bei uns das Granulatfutter von Sera, Tetra, Söll, JBL und Naturefood. Granulatfutter ist ebenfalls für Fische aller Wasserschichten geeignet, da es „mittelschnell“ zu Boden sinkt.

 

Sticks

Sind längliche Futterstücke, die sehr lange an der Oberfläche schwimmen und nur langsam zu Boden sinken. Bei der Fütterung von Kaltwasserfischen im Gartenteich sind Sticks vorteilhaft, da sie nicht so schnell absinken und im Pflanzenwuchs oder Schlamm verschwinden. So werden auch scheue und selten gesehene Fische zur Oberfläche gelockt. Zudem wird stark gründelnden Fischen (wie z. B. den beliebten Koi-Karpfen) das ständige Suchen nach Futter auf dem Bodengrund abgewöhnt und das Wasser bleibt deutlich klarer.

 

Futtertabletten

Sind gut geeignet für die Fütterung von bodenbewohnenden Fischen. Futtertabletten gibt es in verschiedenen Geschmacksrichtungen, als Hauptkost oder als Pflanzenkost (z. B. Zac-Premium Futtertabletten). Nachtaktive Tiere wie z. B. Welse, sollten immer erst kurz vor Ende der Beleuchtungszeit gefüttert werden.

 

Naturbelassene Futter

Sind ein guter „Extrahappen“ zur Ergänzung des Speiseplans. Rote und weiße Mückenlarven, Daphnien, Wasserflöhe oder Garnelen werden schonend gefriergetrocknet. So bekommt man frisches Futter ohne die Risiken (Krankheiten, Umweltgifte) von selbstgejagter Tümpelkost. Und Ihre Fische werden (oder bleiben) bei abwechslungsreicher Kost agil und vital.

 

Jungfischfutter

Hat man durch gute Haltungsbedingungen Fischnachwuchs in seinem Becken, steht man vor einem Problem, denn Jungfische brauchen sehr kleines Futter, welches auch noch Nährstoffe in höchster Qualität enthalten muss. Dass da keine Kompromisse in Sachen Qualität gemacht werden dürfen, versteht sich von selbst. Was ein Jungfisch in den ersten Lebenswochen versäumt, kann später nie mehr nachgeholt werden! Für besonders kleine Jungfische empfehlen wir feinstes Futter in flüssiger Form. Größere Jungfische nehmen feines Staubfutter.

 

Frostfutter

Ein guter und ausgewogener Speiseplan kann auch Frostfutter beinhalten. Bitte schauen Sie auf unseren Frostfutterseiten nach unserem vielfältigen Angebot und den vielen Vorteilen von Frostfutter. Hier finden Sie mit Sicherheit das Richtige. Achten Sie aber bitte stets darauf, Frostfutter richtig zu verfüttern, d. h. Sie tauen es zunächst in einem Artemiasieb auf, lassen es abtropfen, fügen Vitamine hinzu und geben es erst dann ins Aquarium. So reduzieren Sie die Nährstoff-Belastung Ihres Aquarienwassers in erheblichem Maße.